Urlaub trotz Krisen und hoher Flugpreise: Reisetipps für 2026
Von Redaktion Südbayern

Geopolitische Spannungen, teures Kerosin und eingeschränkte Flugrouten treiben die Preise für Urlaubsreisen nach oben – nicht nur bei Fernreisen, sondern auch innerhalb Europas. Die Reiseexperten des ADAC Südbayern zeigen, wie und wo man trotzdem einen schönen, erholsamen und bezahlbaren Urlaub verbringen kann.
Der eskalierende Konflikt zwischen dem Iran und Israel zeigt spürbare Auswirkungen weit über die Krisenregion hinaus. Besonders der internationale Luftverkehr steht unter Druck: Steigende Rohöl- und Kerosinpreise, zeitweise eingeschränkte Flugrouten und reduzierte Kapazitäten an wichtigen Drehkreuzen im Nahen Osten haben die Rahmenbedingungen für Airlines und Reisende verändert. Wie der Urlaub 2026 trotzdem entspannt gelingen kann, verrät unsere Reiseexpertin.
Reisetrends und Experten-Tipps: Europa, Last-Minute und alternative Ziele
Die Kombination aus geopolitischen Spannungen, steigenden Energiepreisen und eingeschränkten Flugkapazitäten und schwieriger Planbarkeit sorgt derzeit für eine spürbare Verteuerung von Reisen und beeinflusst das Buchungsverhalten vieler Urlauber. Laut ADAC Südbayern Reiseexpertin Maria Köller werden Fernreisen derzeit häufiger verschoben oder umgebucht. Verbindungen nach Fernost sowie Ziele im Indischen Ozean wie die Malediven oder Mauritius sind dabei besonders betroffen. Während Fernreisen schwieriger planbar werden, verlagert sich die Nachfrage zunehmend auf europäische Ziele. Gleichzeitig wächst das Bedürfnis nach Flexibilität und Sicherheit. Kurzfristige Buchungen, Pauschalangebote und alternative Reiseziele und -zeiten dürften daher auch in den kommenden Monaten eine größere Rolle spielen.
Europa als Urlaubsziel
Klassische europäische Reiseziele liegen im Trend und gewinnen aktuell weiter an Bedeutung: Spanien, Italien, Griechenland und Portugal profitieren und verzeichnen steigende Buchungszahlen. Laut einer aktuellen Branchen-Studie des Kreditversicherers Allianz Trade ist die Nachfrage im Jahresvergleich für Spanien rund 32 Prozent, und für Italien, Griechenland und Portugal jeweils um etwa 20 Prozent höher. Allerdings sind in den beliebten Mittelmeerregionen teilweise massive Preissteigerungen von mehr als 50 Prozent möglich. Auch Pauschalreisen können – je nach Ziel und Saison – um ein Drittel teurer sein als im Vorjahr.
Pauschalreisen und Flex-Pakete
Insbesondere bei Flugreisen ist eine verstärkte Nachfrage nach klassischen Pauschalreisen erkennbar. Diese bieten den Vorteil, dass mehrere Leistungen wie Flug, Hotel oder auch Rundreisebestandteile durch einen Reiseveranstalter gebündelt, organisiert und abgesichert sind: Zum einen gegen Insolvenzfälle, zum anderen – wie im Fall des Iran-Konflikts– gegen Flugausfälle aufgrund von Reisewarnungen. Außerdem sind Angebote mit erweiterten Optionen zur Umbuchung oder Stornierung und zusätzlicher Absicherung empfehlenswert, da sie Planungssicherheit bieten. Bei Flex-Paketen sind kostenfreie Umbuchungen und Änderungen, zum Beispiel bezüglich des Termins oder Reiseziels, oder Stornierungen bis kurz vor Reiseantritt (ca. 21 bis 15 Tage vor Abreise) möglich. Manche Veranstalter bieten diese für bestimmte Destinationen kostenfrei an, bei anderen sind die Pakete optional hinzubuchbar.
Last-Minute-Urlaube
Zudem sind dieses Jahr vermehrt spontane Buchungsentscheidungen und Last-Minute-Reisen zu erwarten. Im Vergleich zu früheren Jahren warten viele Urlauber in diesem Jahr länger ab und entscheiden sich voraussichtlich erst kurzfristig für ein konkretes Reiseziel. Hintergrund sind unter anderem eine höhere Flexibilität bei der Reiseplanung sowie Unsicherheiten in Bezug auf die herrschenden Rahmenbedingungen. Außerhalb der Ferienzeiten in Bayern gibt es momentan noch ausreichend freie Kapazitäten und auch für die anstehenden Pfingstferien sind insbesondere in der zweiten Ferienwoche noch Optionen, auch für Strandurlaube, verfügbar. Insgesamt zeigt sich, dass auch bei kurzfristigen Buchungen mit einer gewissen Flexibilität hinsichtlich des Reiseziels und Abflughafens weiterhin Möglichkeiten bestehen, Reisen zu günstigen Preisen zu realisieren.
Empfehlenswerte Reiseziele für einen Pfingsturlaub mit Strand und Sonne sind die spanischen Inseln Gran Canaria, Fuerteventura oder Menorca, die Insel Kreta in Griechenland oder die Türkische Riviera. Flüge gibt es unter anderem ab München, Nürnberg oder Prag.
Weitere Last-Minute-Tipps: ADAC Urlaubsidee
Geheimtipps abseits des Massentourismus
Angesichts steigender Preise und wachsender Nachfrage in den bekannten Urlaubsdestinationen lohnt sich ein Blick auf alternative und weniger bekannte Reiseziele. Die Reiseexperten des ADAC Südbayern beobachten, dass sogenannte „Geheimtipps“ zunehmend gefragt sind – also Orte, die noch nicht vom Massentourismus geprägt sind, aber mit attraktiven Landschaften, guter Infrastruktur und vergleichsweise moderaten Preisen überzeugen.
Empfehlenswert sind Destinationen wie die griechische Insel Alonissos, die portugiesische Insel Porto Santo oder der spanische Küstenort Zahara de los Atunes. Diese Ziele bieten oft ähnliche Voraussetzungen wie die etablierten Urlaubsregionen am Mittelmeer, sind aber in der Hauptsaison weniger ausgelastet. Die Vorteile liegen auf der Hand: Mehr Ruhe, günstigere Preise, teils bessere Verfügbarkeiten und eine insgesamt entspanntere Reiseerfahrung. Wer flexibel ist und sich frühzeitig informiert, kann also attraktive Alternativen entdecken. Individuelle Beratung – etwa über die ADAC Reisebüros – spielt dabei weiterhin eine wichtige Rolle, um passende und zugleich weniger bekannte Ziele zu finden.
Weitere Tipps für alternative Reiseziele: ADAC Urlaubsidee
Abflughäfen im Ausland
Auch bei der Anreise mit dem Flugzeug zeigt sich durch die Preissteigerungen eine Veränderung im Verhalten. So werden derzeit verstärkt Abflughäfen im benachbarten Ausland genutzt, da dort teilweise günstigere Flugpreise verfügbar sind. Empfehlenswerte, von Bayern aus gut erreichbare Abflughäfen sind zum Beispiel Wien, Salzburg oder Prag. Oftmals kann eine Familie durch Flexibilität bei der Abreise 200 bis 400 Euro pro Reise sparen und die Gesamtkosten senken.
Kürzere Aufenthalte
Ein weiterer Trend ist eine Anpassung der Reisedauer: Bereits seit vergangenem Jahr entscheiden sich viele Reisende häufiger für kürzere Aufenthalte. Viele Urlauber entscheiden sich zudem pro Jahr für ein bis zwei zusätzliche Kurzreisen mit jeweils zwei bis vier Tagen. Während klassische zweiwöchige Urlaube seltener werden, sind Reisen von etwa zehn bis zwölf Tagen inzwischen verbreiteter - und auch kürzere Aufenthalte von sieben Tagen werden teilweise auf nur fünf Tage reduziert. Durch eine kürzere Reise lassen sich Kosten einsparen, und der Urlaub muss dennoch nicht entfallen.
Kreuzfahrten im hohen Norden
Kreuzfahrten in Nordeuropa, insbesondere von den Häfen Hamburg, Kiel oder Warnemünde sind in diesem Jahr besonders beliebt. Die skandinavischen Länder versprechen traumhafte Landschaften, einzigartige Naturerlebnisse und vor allem ein Gefühl von Sicherheit. Zudem kann die Anreise hier entspannt und individuell mit dem PKW geplant werden.
Fernreisen verschieben auf Herbst und Winter
Fernreisen werden gerade zudem häufig auf den Herbst oder Winter verschoben, in der Hoffnung, dass die politische Lage gegen Ende des Jahres wieder sicherer ist. Fernreiseziele, die für den Herbst und Winter zu empfehlen sind, sind unter anderem Jamaika, Saint Martin und Trinidad und Tobago in der Karibik, Mauritius im Indischen Ozean aber auch der Klassiker Thailand.
Weitere Tipps für Herbst- oder Winter-Destinationen: ADAC Urlaubsidee
Hintergrund: Konflikte, Drehkreuze und steigende Kerosinpreise
Die zeitweise eingeschränkte Nutzung des Luftraums im Nahen Osten hat den internationalen Flugverkehr stark belastet. Besonders betroffen waren wichtige Drehkreuze in den Vereinigten Arabischen Emiraten, wie Dubai oder Abu Dhabi. Rund ein Drittel der Verbindungen zwischen Europa und Asien wird normalerweise über diese Knotenpunkte abgewickelt. Militärische Spannungen, kurzfristige Luftraumsperrungen und Umleitungen führten dazu, dass zehntausende Flüge gestrichen oder angepasst werden mussten. Obwohl die betroffenen Staaten ihren Luftraum inzwischen wieder geöffnet haben, bleibt die Lage unsicher.
Zugleich haben steigende Kerosinpreise – von zuvor etwa 85 bis 90 auf bis zu 150 bis 200 US-Dollar pro Barrel – die Kosten der Airlines deutlich erhöhen, während die Nachfrage nach Flügen weiter hoch bleibt. Da Treibstoff bis zu 40 Prozent der Betriebskosten ausmacht, wirken sich diese Entwicklungen direkt auf die Ticketpreise aus. Internationale Flüge sind laut Allianz Trade im Schnitt um bis zu 15 Prozent teurer geworden. Ein Flug nach Tokio (Japan) kostet im Mai 2026 beispielsweise durchschnittlich 1113 Euro und damit 187 Euro mehr als 2025, Verbindungen nach Miami (USA) stiegen von 633 auf 767 Euro (+134 Euro). Innerhalb Europas sind bei Flügen bislang kaum Preissteigerungen sichtbar, allerdings könnten sich diese auch hier bei anhaltenden Unsicherheiten weiter erhöhen.
Unsicherheiten bei Buchungen und Reiserechten
Die angespannte Lage wirkt sich auch auf gebuchte Reisen aus. Fluggäste müssen sich nicht nur auf längere Flugzeiten durch Umleitungen einstellen, sondern unter Umständen auch auf nachträgliche Preissteigerungen. Airlines dürfen zusätzliche Treibstoffkosten weitergeben, sofern dies in den Beförderungsbedingungen vorgesehen ist. Zwar wurden einige Reisewarnungen zuletzt gelockert, dennoch bleibt die Lage im Nahen Osten weiter unsicher und Behörden raten zur Vorsicht. Für Reisende entfällt, sobald offizielle Warnungen aufgehoben sind, allerdings das kostenlose Rücktrittsrecht. Bei Pauschalreisen gelten klarere Regeln: Veranstalter dürfen Preise bis 20 Tage vor Reisebeginn um bis zu acht Prozent erhöhen, wenn sich etwa die Transportkosten deutlich verteuern. Wird diese Grenze überschritten, besteht ein kostenfreies Rücktrittsrecht.